Gefühlte Unsicherheit als Beurteilungsgrundlage

 

Donnerstag 26 Januar 2012

Antrag der CDU-Ratsfraktion im Rahmen der letzten Sitzung des Bauausschusses am 10. Januar. Thema: Verkehrsberuhigungsmaßnahmen an und auf der Uferstraße vom Hallenbad bis zu den Tennisplatzanlagen. Die Uferstraße vom Hallenbad am Losbergstadion vorbei bis zur scharfen S-Kurve am Tennisplatz verläuft geradeaus. Es herrscht vergleichsweise wenig Verkehr. Und genau das ist das Problem:

Weil die Straße gerade verläuft, ist  das der Grund dafür, warum Schwellen in die Fahrbahn geschraubt werden sollen, Tempo-30-Piktogramme aufgemalt werden sollen oder andere geschwindigkeitsverringernde Maßnahmen dort durchgeführt werden sollen. Denn, so die Meinung der CDU-Fraktion: Dort wird gerast.

Auf Nachfrage des FDP-Ratsherrn Martin Wirth, ob es sich bei dieser Straßenstrecke um einen Unfallschwerpunkt handeln würde, lautete die Antwort der Verwaltung: Nein. Auf weitere Frage seitens der FDP-Vertreter, ob man denn Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt habe, um die Raserei irgendwo mal auch festgestellt zu haben, lautete die Antwort: Nein. Auf die Frage, ob es denn überhaupt schon Unfälle gegeben hat, wußte auch niemand etwas zu berichten.

Es war schlicht die gefühlte Unsicherheit der Antragsteller, die jetzt dazu führt, dass Schwellen eingebaut, Kübel aufgestellt, eventuell Delfter Hügel gebaut werden oder sonstige Maßnahmen ergriffen werden, um dem vermeintlichen Problem Herr zu werden.

CDU und SPD wollen das so. Wenn das in Stadtlohn üblich wird, dass mangels Fakten in Zukunft gefühlte Probleme Maßnahmen auslösen, dann “Gute Nacht”.

Zum Schluss fällt mir dazu eigentlich nur noch ein: Erst wenn die letzte Straße zugeschwellt ist, der letzte Weg einen Delfter Hügel bekommen hat, dann werdet ihr merken, dass Krankenwagen und Feuerrwehrautos nicht fliegen können.

Einen schönen Feierabend wünscht Bernd Schöning


8 Kommentare for 'Gefühlte Unsicherheit als Beurteilungsgrundlage'

  1.  
    boing
    28. Januar 2012 | 17:19
     

    Das muss nicht sein!
    Wozu brauchen wir noch mehr Schwellen oder,,Delfter Hügel”.Meiner Beobachtung nach,wird dort nicht ,,gerast” und sooo viel Verkehr herrscht da auch nicht Richtung Tennisplatz.Wenn manche meinen es würde,,gerast” dann gibt es effektivere Mittel ,,Raser” zu stoppen und denen ein angemessenes Bußgeld zu verpassen.Warum wird denn die Geschwindigkeit dort nicht gemessen?Wäre einfacher und effektiver!Zudem kostet sowas einige Euronen!!! Auf der Bakenstraße(30) wird mehr gerast,wenn Leute mal schnell runter zur Weststraße fahren und dann noch,,schnell” noch zum Aldi.Hier wäre eine,,Bremsung” des Verkehrs angebracht und nicht auf dem weg zum Tennisplatz!

  2.  
    Köning
    29. Januar 2012 | 20:04
     

    Sehr geehrter Herr Schöning,
    es ist sehr interessant was Sie hier alles so schreiben, über die Mitarbeiter der Stadtverwaltung sagen und uns noch alles weitere so mitteilen. Doch wenn ich sehe wie und was Sie wirklich da von sich geben, muss ich feststellen, das Sie sich selber auch nicht wirklich kundig machen, und Leute schlecht machen wo SIE sich doch so etwas nicht erlauben dürften. Sie als Anwalt sollten doch auch wissen das es das sogenannte Recht am eigen Bild gibt, wo ich auf Ihrer Seite bei den ganzen Bildern feststellen muss, das Sie diesen Paragraphen nicht wirklich kennen können. Oder haben Sie die Erlaubniss z.B. der Firma Steinbach, der anderen Firmen diese Bilder nutzen zu dürfen?
    Zum Thema Gefühlte Unsicherheit kann ich Ihnen sagen das es sich schon bei der Uferstraße um eine wie mir berichtet wurde Rennstrecke handelt. Unsere jungen Raser überlegen sich doch immer wieder neue Streckenführungen. Und diese geht vom Hallenbad hoch zu den Sportplätzen, zur Reithalle, und wieder zurück zum Hallenbad. Und da sehe ich es schon als sinnvoll dort Maßnahmen zu ergreifen die den Rasern das Leben schwer machen. Vorsicht ist besser als Nachsicht, schließlich ist das auch der Weg der für Eltern und Kind zum Park führt.
    Und zum Schluss noch eine Bemerkung: Die neuen Rettungswagen verfügen über eine Luftfederung sodass der Patient ein Überfahren eines Hügels nicht bemerken würde., und die LKW der Feuerwehr einen solch kleinen aber effektiven Hügel nicht wirklich interessiert.

    Schönen Feierabend

  3.  
    30. Januar 2012 | 09:57
     

    Guten Tag Herr Köning,
    zunächst eine “Dankeschön” für ihre kritischen Anmerkungen.
    Was die behauptete Raserei angeht, fühle ich mich zunächst durch den Artikel in der Münsterlandzeitung vom vergangenen Samstag bestätigt. Der Bauamtsleiter Höltken selbst bestätigt dort, dass es nach seinem Eindruck so sei, dass dort gerast werde. Aber – und da bestätigt er mich auch – objektiv festgestellt durch Geschwindigkeitsmessungen oder andere Maßnahmen hat man das nicht.
    Auch Sie selbst schreiben, dass Ihnen “berichtet” wurde. Also keine eigene Wahrnehmung, sondern eine Information über Dritte.
    Ich habe nichts dagegen, wenn aufgrund objektiv festgestellter Fakten dann eingeschritten wird. Aber auf den blauen Dunst hinaus und auf Zuruf, weil irgendeiner meint, da gibt´s ein Problem: Das reicht mir persönlich nicht.

    Was die eingestellten Fotos angeht: Wer der Meinung ist, dass er persönlich mit Foto in diesem Blog nicht abgebildet sein möchte, der kann mir das sagen. Dann wird das gelöscht. Das habe ich immer schon so gehandhabt. Aber bei Politikern ist das etwas anderes, wie Sie sich auch aus dem Fernsehen wissen. Wer sich in die Öffentlichkeit begibt, der muss damit rechnen, abgebildet zu werden.
    Das ist dann grundsätzlich auch in Ordnung. Gleiches gilt natürlich auch dann, wenn ich im öffentlichen Raum ein Gebäude fotografiere, um damit einen Artikel zu dokumentieren.

    Einen erfolgreichen Start in die Woche wünscht Bernd Schöning

  4.  
    boing
    30. Januar 2012 | 17:12
     

    Obige Kommentare grad gelesen.Herr Könning: Wann wird da gerast?Wie schnell soll angeblich gefahren werden?Dieses kann NUR durch entsprechende Messungen belegt werden und nicht,,von Mund zu Mund”.Habe mir das schon angeschaut und als ich zugegen war(Spätnachmittags) wurde nicht gerast und es wurde kein,,Wettrennen” veranstaltet.auch spätabends bei den,,Nachtwanderer Rundgängen” wurden keine Raser festgestellt.Auf anderen innerstädtischen Strassen mit 30 Zone wird aber bekanntlich viel zu oft,,gerast”.

  5.  
    Martin Könning
    31. Januar 2012 | 00:22
     

    Noch ‘n Könning:

    Man kann ja gerne der Meinung sein, daß vor der Anordnung von Verkehrsberuhigungsmaßnahmen und dem Aufbringen von Schwellen erstmal Messungen durchgeführt werden. Auch ich bin der Meinung, daß dort, wo es nicht notwendig ist, solche Maßnahmen nicht gemacht werden sollten. Um für mich zu sprechen: Auch ich habe, um bewußt nicht von meinem “Eindruck” zu sprechen, die Beobachtung gemacht, daß viele Autofahrer sich dort nicht an die bereits geltende zulässige Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h halten. Ich habe mich sogar schon selbst dabei ertappt, daß ich dort etwas schneller unterwegs war. Ich halte daher entsprechende Verkehrsberuhigungsmaßnahmen sehr wohl für sinnvoll. Zum einen verleitet der gerade Straßenverlauf und die gute Einsehbarkeit dazu, etwas schneller als erlaubt zu fahren. Zum anderen ist dem Autofahrer, anders als in einem Wohngebiet, wo dies aufgrund der allgemein gültigen Regelung in Stadtlohn bereits naheliegt, nicht unbedingt, sich in einer Tempo-30-Zone zu bewegen. Hinzu kommt, daß es sich sehr wohl um einen sensiblen Bereich handelt. Sowohl vor dem Hallen- und Freibad als auch vor dem Eingangsbereich zum Hülsta-Sportpark halten sich oft Kinder auf, zu deren Schutz die Maßnahmen gedacht sind. Vielleicht ist bislang tatsächlich noch nichts passiert. Aber wenn etwas passieren sollte, und einmal ist immer das erste Mal, und danach wird etwas unternommen, heißt es doch “Es mußte ja mal wieder erst was passieren!”

    Zum Thema Bildrechte hatte ich schonmal vor längerer Zeit darauf hingewiesen, daß neben dem Recht am eigenen Bild, das für Personen des öffentlichen Lebens tatsächlich nur eingeschränkt gilt, auch das Urheberrecht an den Bildern zu beachten ist, das eben nicht einschränkbar ist. Insofern kann ich hier dem Kollegen Schöning nur wünschen, daß alle in diesem Blog verwendeten Bilder von ihm selbst aufgenommen wurden oder ihm die Zustimmung des jeweiligen Fotografen vorliegt, damit keine strafbewehrten Unterlassungserklärungen ins Haus flattern :-) Was Aufnahmen von Gebäuden angeht, dürfen diese in der Tat (ebenfalls unter Beachtung des Urheberrechts natürlich) veröffentlicht werden, wenn die Aufnahme vom öffentlichen Straßenraum aus entstanden ist. Wer z. B. vom Parkdeck des neuen EDEKA-Marktes ein Foto vom Gebäude der Firma Steinbach macht und dieses veröffentlicht (was hier nicht zur Debatte steht), hat bereits ein Problem, auch wenn er die Erlaubnis von Herrn Rewer eingeholt hat. Ob es dagegen auch so ohne weiteres zulässig ist, das Markenzeichen der Firma Steinbach zu verwenden, dahinter mache ich aber mal ein oder zwei Fragezeichen. Dem könnte wieder das Urheberrecht entgegenstehen.

  6.  
    31. Januar 2012 | 10:28
     

    Guten Morgen,

    zum Leserbrief von Martin Könning möchte ich nur kurz folgendes anmerken: Er schreibt sinngemäß, dass ihm nicht bekannt sei, ob möglicherweise im Bereich Hallenbad/Freibadeingang und/oder Losbergpark schon mal ein Unfall mit Personenbeteiltigung und Verletzten gegeben hat. Trotzdem müßten nun geschwindigkeitsreduzierende Maßnahmen her, denn hinterher würde es sonst heißen: Es mußte ja erst etwas passieren, bis etwas getan wurde.

    Das ist das alte “Todschlagsargument”, dass durch sein ständige Wiederholung leider nicht besser wird.
    ES IST ZWAR NOCH NICHTS PASSIERT, ABER WENN…..

    Auch die Burgstraße ist eine lange und gerade Straße: Warum dort keine Schwellen? Dort gibt es sogar durch Geschwingkeitsmessungen belegte Geschwindigkeitsüberschreitungen. Dort gibt es Schulen, deren Schüler die Burgstraße überqueren. Das Verkehrsaufkommen ist sogar erheblich höher. Die Situation ist für mich mit der am Hallenbad durchaus vergleichbar, wenn nicht sogar erheblich gefährlicher. Nein, ich fordere auf der Burgstraße keine Schwellen und auch niemand anderes tut das. Aber warum sind Sicherheit und Rücksicht am Hallenbad plötzlich höher zu bewerten als auf der Burgstraße, wenn es um das höchste Gut des Menschen geht, nämlich sein Leben und die Gesundheit? Das ist für mich nicht nachvollziehbar.

    Wenn man das ernst meint, dann müßte man in letzter Konsequenz das Auto verbieten, damit es ausgeschlossen ist, dass es zu einem Unfall kommt. Das fordert aber keiner, weil auf das Auto will man ja auch nicht verzichten. Also nimmt man das Risiko in Kauf, dass es zu Unfällen kommt.

    Schwellen beseitigen das Risiko nicht. Sie reizen höchstens dazu, zwischen den Schwellen ordentlich Gas zu geben, um dann abrupt abzubremsen. Die letzten übrigens, von denen ich mich daran erinnern kann, die Schwellen auf der Fahrbahn verlangt haben, waren vor vielen Jahren die Anwohner der damaligen Jahnstraße, heute Wessendorfer Straße, und die Anwohner im Bereich des Immingfeldwegs in der Nähe des Gymnasiums. Begründung: Es wird gerast und Schulwegsicherung. Ich hatte schon damals davor gewarnt zu glauben, dass die Schwellen das Allheilmittel sind und prophezeit, dass Anträge kommen werden, die Schwellen wieder abzubauen. Und genau so ist es gekommen. Plötzlich spielte die angebliche Raserei vor der Haustür keine Rolle mehr und die Schulwegsicherung auch nicht. Die Schwellen sollten wieder weg, weil die Anwohner sich durch das ständige Abbremsen der Kfz und das Aufheulen der Motoren nach Überqueren der Schwellen belästigt fühlten. Also wurden die Schwellen wieder abgebaut. Und seitdem ist Ruhe.

    Was ich damit sagen will: Nicht das Auto als solches ist das Problem, sondern der Mensch, der es zweckwidrig einsetzt. Aber zu glauben, mit ein paar Schwellen das Problem gelöst zu haben, ist falsch. Wer sich im Verkehr daneben benimmt, der soll die Konsequenzen für sein Verhalten spüren. Und was hilft mehr, als dem Raser, wenn es den an dieser Stelle gibt, mit einem Bußgeld, Punkten in Flensburg und dem Entzug der Fahrerlaubnis oder einem Fahrverbot die Konsequenzen seines Fehlverhaltens klar zu machen. Besser,einfacher und erfolgreicher geht´s nicht.

  7.  
    Martin Könning
    31. Januar 2012 | 22:21
     

    Ach, jetzt wird’s polemisch hier! :-)

    Zum einen habe ich auf meine Beobachtung (wohlgemerkt: nicht Eindruck) verwiesen, dass auf der Uferstraße zu schnell gefahren wird, und mich selbst dabei ausdrücklich nicht ausgenommen. Man muss als Autofahrer aufgrund der beschriebenen örtlichen Verhältnisse schon genau aufpassen, damit die Tachonadel nicht mehr als die erlaubten 30 km/h anzeigt. Und bereits Geschwindigkeitsüberschreitungen, die ja gerade die Unfallgefahr in sich bergen, sind auch ein guter Grund, Verkehrsberuhigungsmaßnahmen vorzunehmen. Ich wundere mich, dass dies in Frage gestellt wird. Anwohner, die sich dort gestört fühlen könnten, sind auch nicht vorhanden.

    Zum anderen ist die Uferstraße sicher nicht mit der Burgstraße zu vergleichen. Die Burgstraße ist eine Landstraße, auf der bis zu 50 km/h schnell gefahren werden darf. Ich wüßte nicht, dass in solchen Bereichen jemals Schwellen oder ähnliche Verkehrsberuhigungsmaßnahmen vorgenommen wurden. Diese wären wahrscheinlich auch gar nicht zulässig und würden vom zuständigen Landesbetrieb sicher auch abgelehnt.

    Im übrigen darf man ja gerne eine Menge Energie darauf verwenden, in der Argumentation des anderen das berüchtigte Haar in der Suppe zu finden. Die eigene Suppe wird dadurch indes nicht schmackhafter. Ich fände es daher besser, wenn der Blogautor vielleicht mal eigene Beobachtungen beisteuern könnte, ob denn auf der Uferstraße im Bereich des Hallenbades und des Stadions zu schnell gefahren wird oder nicht. Dann wären wir schon ein Stück weiter.

  8.  
    Bernd Schöning
    1. Februar 2012 | 09:49
     

    Guten Morgen,

    ob auf der Burgstraße geschwindigkeitssenkende Maßnahmen aus Sicht des Landesstraßenbaubetriebs zulässig sind oder nicht, ist für die Beantwortung der Frage, warum bei Geschwindigkeitsüberschreitungen in Hinblick auf den Schutz von Leben und Gesundheit unterscheidliche Maßstäbe angelegt werden, wohl unerheblich.

    Ich wehre mich nur dagegen, dass aus der Hüfte heraus geschossen Regulierungen vorgenommen werden, die keine objektive Basis haben. Von daher bringt es auch nicht viel, wenn ich mich selbst vor das Hallenbad stelle , um herauszufinden, ob zu schnell gefahren wird oder nicht. Diejenigen, die sich in Verkehrssachen ein wenig auskennen, wissen, dass menschliche Geschwindigkeitsschätzungen in der weit überwiegenden Zahl heftig daneben liegen. Das weiß natürlich auch Martin Könning. Aussagen von Beobachtern zu tatsächlich gefahrenen Geschwindigkeiten sind deshalb mit höchster Vorsicht zu geniessen.

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